Die kleinen Philosophien eines ganz alltäglichen Lebens: Ohä, DJ!

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Letztens war ich an einer 80’s Party. Solche Partys liebe ich.
Nicht, dass der Sound physisch gesehen meiner Generation entspricht.
Seelisch hingegen, absolut.
Denn ich wurde zwar in den 80ern geboren, aber wohl eher unwillentlich beim Wachsen zu einem grösseren Knopf von der Musik der 90er geprägt.
Jedenfalls, es gibt nichts Schöneres als 80er-Party-Sound,
zu dem man auch noch ungeniert und lauthals mitsingen kann.
Und ich meine lauthals.

Denn an solchen Partys interessiert es keine Sau, wie schräg man dabei wirkt.
Peinlich berührt bin ich demzufolge an solchen Partys nie.
Denn dahin gehe ich eigentlich nur, um das Tanzbein so richtig kokett zu schwingen.
Es geht primär nur ums Tanzen und Brüllen;
ums Fühlen und Geniessen.
Um brüllend einfach zu sein.

An diesen Partys ist man, wie man ist.
Man spielt nichts vor, man ist weder cool noch doof,
weder erfrischend amüsant noch peinlich berührt.
Ist so.
Dabei ist das Alter der Partygänger vollkommen durchmischt
und die Klamotten reichen von shabby bis chic.
Auch das ist egal.

Denn wir alle haben eines gemein: die Liebe zu den 80’s.
Es wird nicht geguckt, nicht geurteilt,
man verweilt in seiner eigenen Welt.
Normalerweise.
Aber nicht letztens.

Denn letztens wurden meine Nerven gänzlich auf die Probe gestellt;
wie hart ist die Lotti im Nehmen bis dann endgültig alle Stricke reissen?

An diesem Abend war ich wildentschlossen, diesem Typen da oben hinter dem Mischpult mal so richtig eine reinzuhauen.

Denn dieser Typ, ein fast begnadeter DJ (so wollte er sich sicherlich sehen),
besass in der besagten Nacht doch tatsächlich die Frechheit,
praktisch jedes Lied, das er auflegte und welches mir gefiel,
nach zwei Minuten mit einem Neuen zu ersetzen – rrrratsch!

Nach zwei Minuten, gegen deren Ende man doch überhaupt erst mit dem neuen Lied warm wurde und schwungvoll aufdrehen konnte; sich dabei glücklicherweise wieder an den Refrain erinnerte, um dann euphorisch mitzuschreien,
beschloss also dieser bekloppte Typ auf der Bühne da oben,
uns alle wieder und wieder fett zu provozieren.

Ich will hier nicht kommentieren,
wie oft dass sich unsereiner leidenschaftlich im Refrain verausgabte,
als dieser bereits eine halbe Sekunde vorher durch einen neuen Beat ersetzt wurde.
Ja.
Zugegeben.
Es gibt sie doch, die peinlichen Momente.

Über zwei Stunden habe ich das fiese Spiel des DJs bereits mitgemacht,
dabei aber immer nett gelächelt,
während ich in Gedanken geduldig Masterpläne schmiedete, wie ich diesem vermeintlichen Musikaufleger am schmerzvollsten an den Kragen springen könnte.
Auch wenn meine Geduld am Ende, meine Nerven bis aufs Übelste strapaziert,
habe ich weiter getanzt, weiter gesungen.
Habe zähneknirschend brav weiter gelächelt.

Dann kam es.
DAS Lied.

Dieses eine,
bei dem gleich zu Anfang unweigerlich ein monströs schrilles Gekreische
aus jedem weiblichen Party-Kehlkopf gepresst wird,
bei dem spontan alle weiblichen Arme schwungvoll
über zahlreiche Köpfe gen Himmel hinweggefegt werden,
bei dem sogar die Herzen aller Weiber um einen Beat schneller schlagen sollen:

The Time of my Life.
Wer kennt es nicht.
Dirty Dancing wurde einmal mehr zum Leben erweckt.

Alle Weiber im Raum waren in dieser Sekunde also nur noch ein
unscheinbares Grüppchen verlorener Seelen,
fernab jeglicher Realität.
Schmausig.

Auch ich war natürlich entzückt über diese Wahl des DJs.
Na wenn das mal nicht ein feiner Schachzug von dem Herrn war,
um auf diese Weise das erhitzte Gemüt meiner Wenigkeit zu beruhigen.
In dem Moment sah ich mich gnädig und vergab ihm seine Taktlosigkeit
während der letzten zweieinhalb Stunden.

Um des Friedens willen eben.
Also eigentlich um meines Seelenfriedens willen.
Denn ein solches Lied sollte man nur in einem Zustand
vollkommener Liebe geniessen wollen.

Von Innen also mit Wärme erfüllt,
schaltete ich hocherfreut einen Gang rauf und liess euphorisch alle Hüllen fallen.
Ich brüllte los, schwang meine Arme hoch in die Lüfte –
zuerst nach Links, und dann nach Rechts.
Ja sogar in Richtung DJ, um ihm meine Vergebung zu bestätigen;
ich sah Glück in Form von Discokugeln und hörte Freiheit,
als der Refrain zum zweiten Mal einsetzte – und dann: RRRAAAATSCH!

Ein brutaler Schmerz durchbohrte meinen Körper, liess mein Blut gefrieren.
Ungläubig verweilte ich eine Minute länger als von Vorteil wäre
in meiner mehr als fragwürdigen Pose,
mein Mund weit aufgerissen, obschon es mir die Sprache verschlagen hat,
während ich mit einem Auge wild im Raum herumirrte auf der Suche nach Erklärungen,
und mit dem anderen Auge aber bereits den DJ fest im Visier hatte –
wie ein voll ausgebildeter, wahnsinniger Scharfschütze.

Dann erinnerte ich mich daran, atmen zu müssen und im gleichen Zuge
wechselte ich meine Pose von „vollkommener Ungläubigkeit“ in eine
kampfbereite „WAS-SOLL-DAS-??!!“-Statur
– den DJ nach wie vor scharf im Visier.

Während ich ihn fixierte, um ihm Angst einzujagen,
nahm ich aus dem Augenwinkel einen Security Typen wahr,
der sich köstlich über unsereiner Gemütszustand zu amüsieren schien.
Zugegeben, wir Mädels haben in diesem grausigen Moment des brutalen Musikwechsels sicherlich ziemlich unsexy ausgesehen.

Fürs Erste beruhigte ich mich also wieder.
Ich kann nämlich auch denken vor dem Handeln.
Und während sich der Security Typ zu meiner Rechten immer noch kaputtlachte,
und der DJ meinen Todesblick vollkommen ignorierte,
hörte ich die in diesem Moment zutiefst ironische Stimme Cyndi Lauper’s,
wie sie da so aus den Lautsprechern trällerte: „Girls just wanna have fuuuuuun!“

 

© romina bogdanovic / lottileibnitz.com

Grosse Umarmung,
Herzlichst,
Eure Lotti ❤

 

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