HEILE WELT

LLAC Lotti Leibnitz Art Creation Traditional Art Visual Art Fine Art fineart Zurich Acrylic Painting(Ein Gedicht zum Kunstwerk ” Crying Walls “)

 

Eine scheinbar grenzenlose Welt,
die unzählige Abenteuer verspricht.
Die jahrtausende altes Wissen zu besitzen vermag,
erstreckt sich die Aussenwelt endlos vor unseren Augen.
Aufregend scheint sie,
voller Reichtümer und mächtiger Geheimnisse,
die alle nur darauf warten, entdeckt zu werden.

Und ihre Bewohner?
Ein Sammelsurium aus Farben und Formen.
Wissenshungrig scheinen sie.
Sich selbst dienen sie.
Alle unserer Zeit weit voraus.

Der liebliche Ruf der Fremde,
dieser betörende Duft von Freiheit, von Unbekanntem,
verfolgt unsere zarten Seelen Tag ein, Tag aus.
Frech dringt er ein, umgibt unser sicheres, warmes Zuhause;
lässt uns hemmungslos von einem anderen Leben träumen.

Was nützt uns denn eine selbst erschaffene, sichere Welt,
wenn sie keinen Raum für Entfaltung bietet?
Wenn unser Geist in jeder Minute ein Stückchen weiter schrumpft?
Wenn unser Herz keine Aufregung mehr kennt?

Wenn unser eigentliches Wesen verblasst in den mächtigen Fängen
einer heilen Welt, die wir bewusst erschufen, um uns geborgen zu fühlen?

Euphorie, wirres Gedankenfieber, Lust.
Ein Zustand lähmender Sehnsucht.
Ein gefährlicher Zustand.

Getrieben von den Gedanken des noch lebendigen Geistes,
von der unsichtbaren Grenze gequält, die wir uns selbst gesetzt,
die unser unsicheres Wesen permanent klein hält;
sind wir vollkommen isoliert von allem Neuen.
Gefangen in einer vermeintlich sicheren Idylle.

Raus!
Raus müssen wir.
Ausbrechen wollen wir.
Ersticken sollen wir!

Stille.
Gähnende Leere breitet sich aus in unserem gläsernen Käfig.
Stumpfe Ohnmacht übermannt uns, spürbar brutal.

Und doch.
Vor uns liegt die grosse weite Fremde.
Kalt. Unsicher. Voller Gefahr.

Sterben würden wir, noch ehe wir uns herauswagten.
Verblassen würden wir, noch ehe wir die Grenzenlosigkeit dieser Fremde erfassten.
Verkümmern würden wir, noch ehe uns das Abenteuer riefe.
Zerbrechen würden wir, noch ehe unsere gläserne Idylle zersplitterte.

Nein. Hier ist es sicher.
Was kann uns die Aussenwelt schon bieten?
Hier ist es warm und geborgen.
Ein Leben das gelebt werden kann.
Das voraussehbar ist.
Es geht uns doch gut.

Goldenes Wesen aus der Aussenwelt, weine nicht.
Wir fühlen mit dir in deiner Grenzenlosigkeit,
in deiner unendlichen Hilflosigkeit,;
wo jede Richtung planlos erscheint
und jede Bewegung Verstrickung bedeutet.

Schwimme fort!
Finde deine Höhle.
Wo du dich sicher fühlst, dort bist du gut aufgehoben!

Voller Mitgefühl und grosser Trauer wendet sich das schöne Wesen ab;
ein letztes Mal streichen seine zarten goldenen Flossen
sanft über die gläserne, kleine, verlorene Welt;
lässt sie und ihre ahnungslosen Geschöpfe
schweren Herzens zurück.

Tiefe Trauer umgibt die Aussenwelt.
Tröpfchen bilden sich, ziehen sich lang.
Verdoppeln sich, vermehren sich;
triefen aus allen Seiten heraus,
pochen an die gläserne Schutzwirkung vermeintlicher Geborgenheit.

Hinterlassen ein Meer aus Schwermut.

Doch wir sind hier sicher,
im Schutze des Alten und Bekannten,
frei von Risiken und Gefahr.
Hier, in unserer heilen kleinen Welt.

 

 

© romina bogdanovic / lottileibnitz.com

Grosse Umarmung,
herzlichst,
Eure Lotti ❤

 

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