Die kleinen Philosophien eines ganz alltäglichen Lebens: Und täglich grüsst das Warzenschwein

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Es ist achzehn Uhr. Die Stunde fängt gleich an. Ich bin so was von bereit durchzustarten. Ganz lääss hüpfe ich von einem Fuss auf den anderen, spüre schon da rythm in mir hochsteigen, fühle die sich in mir ausbreitende Energie, höre bereits das whoop! whoop! in mir aufsteigen und ein zartes, beglückendes Kribbeln in meinen Zehen verführt mich sogleich zu einer überaus hippen “ich-bin-bereit-die-Welt-zu-erobern”-Pose, in der ich in meiner kampflustigen Vorstellung dem gefürchteten Dschingis Khan zum Verwechseln ähnlich sehe. Aber eigentlich wohl eher einem rundlichen Zebra gleiche, das definitiv zu viel gefuttert hatte im Krüger Nationalpark. Und auch in ganz Südafrika. Zu meinem Vorteil macht dann noch mein rosarotes, in den letzten Wochen etwas zu knapp geratenes T-Shirt mit aufgedruckten Zombiezebras das vermeintliche Bild komplett. Ja. Es ist nun wirklich allerhöchste Zeit für diese Stunde.

Und schon kommt die Königin aller Dancing Queens angewackelt; schwungvoll und mit einem Riesenlächeln, dass gleich der ganze Saal anfängt zu hüpfen – wir sind ja alle so was von bereit! Loooos! Die Musik fängt an. Warm-up. Aber keines dieser doofen Warm-ups, die man so kennt aus früheren Fitness-Studio Zeiten. Nee. So richtig cool geht’s von der ersten Minute an ab in unserem Saal. Wir sind jetzt so was wie ein grosses Rudel leicht zurückgebliebener Hyänen, die da so ganz gezielt und überaus falsch zur Musik kreischen und dabei noch angestrengt versuchen, so sexy auszusehen wie die Mutter aller Tiere, die da vorne shaked als gäbe es kein Morgen. Ja. Äähm. Nun gut.

Mal abgesehen von unseren Talenten, die zum Glück nichts mit Tanzen zu tun haben (sonst hätten wir da doch schon ein grösseres Problem wenn wir dies denken würden; so wie es die aus DSDS zum Beispiel haben) und dem Drang, sich mal so richtig auszupowern während einer guten Zumba-Lektion, bleibt mir nur noch eines zu sagen: Nämlich dass ich immer wieder von neuem entzückt bin über die abwechslungsreiche Songpalette, mit der uns unsere Instruktorin in regelmässigen Zeitabständen konfrontiert. Und ich bin nicht nur entzückt, sondern zutiefst dankbar für eine solch breite Musikauswahl, denn sonst würde ich wohl ehrlich durchdrehen mit dieser immergleichen Salsamusik. Mir ist natürlich schon bewusst, dass Salsa zum Zumba gehört, da will ich gar nicht erst darüber streiten. Aber ehrlich Leute, Salsa kann so was von langweilig sein! Mir ist auch klar, dass ich mich bei meinen Stammesbrüdern und -schwestern mit dieser Aussage geradewegs ins Abseits katapultiere, denn die lieben Schweizerinnen und Schweizer sind ganz erpicht auf diese Musik aus Gründen, die mir bis heute nicht ganz einleuchten. Nun gut. Gesagt, geschrieben. Was soll’s.

Zu meiner Verteidigung möchte ich jedoch schon noch ganz kurz hinzufügen, dass einem – zum Beispiel während einer 19-monatigen Reise durch Südamerika, die ich ganz so nebenbei erwähnt tatsächlich einmal gemacht habe – diese Musik so richtig gewaltvoll aufgedrängt wird. Egal wo man steht, egal wo man hinläuft oder hinflüchtet, dieses Salsa klebt an einem wie ecklige Zuckerwatte an den Fingern eines Kindes und keinen dieser Südamerikaner juckt’s, ob man nun kurz vor dem Durchdrehen ist oder sich bereits die Ohren aus dem Schädel gekratzt hat, nur um ein wenig, nur ein wenig! Ruhe und Abstand zu erhalten.

Vor was ich mich jedoch noch mehr fürchte als vor der Salsamusik ist mein momentaner Fitnesszustand. Da versuche ich nun seit guten sieben Minuten den Rhythmus zu halten und puste mir dabei schon die Lungen aus dem Leib! Was habe ich denn Schlimmes getan in meinen drei Wochen in Südafrika, dass ich mich nun mit so einem peinlichen Zustand abgeben muss? Ich hab ja nur gegessen. Ist das denn ein Verbrechen?! Zugegeben, “gegessen” schien mir das passendere Wort zu sein für diese Online-Version meines Textes. Was denn?

Aber mal ehrlich, auch so ein aussichtsloser Zustand hält immer etwas Gutes bereit; denn während ich da so hin und her schlurfe (vor fünf Minuten war es noch ein hochmotiviertes Hüpfen gewesen), anmutig meine Arme hinter mir her schleife und mir dabei meine Zunge bis unters Kinn reicht, kommt mir tatsächlich eine sehr, sehr vernünftige Idee zugeflogen: Nämlich die, dass ich ja nun – während dem Tanzen – doch genügend Energie aufbringen und speichern könnte, um meine Lieblings-Blogserie, welche ich aus unerfindlichen Gründen in den letzten Monaten irgendwie habe schleifen lassen, wiederaufzunehmen. Das wäre nämlich diese. Ja genau. “Die kleinen Philosophien eines ganz alltäglichen Lebens”.

So leidenschaftlich ich gerade die Hüften schwinge und meine zwei Freundinnen schüttle (Was? Das ist eben Zumba) so leidenschaftlich hatte ich damals diese Blogserie ins Leben gerufen und geführt bis zum grossen “break”. Was denn geschehen war? Keine Ahnung! Vielleicht liegt es daran, dass ich jedes Jahr eine vorweihnachtliche (so ab August also) “Couch-Potato”-Phase durchleben und eine nachweihnachtliche “I’ve-got-the-Blues”-Krise bewältigen muss; Zustände, welche allesamt nur auf eines zurückzuführen sind: Das Schwiizerwätter. Oooh ja. Frohlocket ihr Bürger dieses Landes, denn wir sind alle reich an Nässe und Kälte! Und das ist freilich auch der Grund, wieso ich jedes Mal mit einer aufgesetzten, tristen Miene von meinen sonnengeladenen Reisen in die Schweiz zurückkehre. So wie es sich eben gehört. Damit weder das Wetter hierzulande noch sonst irgendwer sich über mein braungebranntes, von Natur aus eigentlich doch sehr freundliches Gesicht beschweren kann. Integration ist eben sehr wichtig. Und Solidarität übrigens auch.

Also, zurück zum Blues. Oder zur Klärung nach dem “Warum” ich diese Blogserie kurzum schleifen liess. Vielleicht liegt es auch einfach nur am Mangel an Zeit (übrigens meine absolute Lieblingsausrede für so ziemlich jeden Bereich meines Lebens) oder womöglich auch am Mangel an Ideen oder wohl eher an der Angst am Mangel an Ideen. Dies scheint mir zutreffender. Denn wenn man sich für einen Blog entscheidet, muss man eben auch schreiben. Können oder nicht Können sei dahingestellt. Es geht um die Leidenschaft für sein kleines Imperium. Der Drang nach dem Schaffen. Die Essenz seiner Gedanken. Jawohl Baby!

Natürlich kann man sich noch so ausgiebig positiv stimmen und sich selbst sagen, dass das ganze Leben ein riesengrosses Schlaraffenland an Ideen ist – wenn die Angst vor einer kreativen Blockade einem vor der Nase herum tänzelt, kann einen das schon hie und da mal ein bisserl ausbremsen. Und bei diesem Gedanken kommt mir gleich ein richtig guter entgegengeblitzt: Wenn mir also irgendwann einmal tatsächlich nichts mehr in den Sinn kommen sollte, was ich schreiben könnte, dann schreibe ich eben über einen solchen Zustand. Problem gelöst. Hipp Hipp Hurra! Ein Hoch auf diese wundervolle kreative rechte Hälfte meines Gehirns! Und während ich zur Musik nun hocherfreut ein paar Haken und Kicke durch die Luft schiesse, zelebriere ich still die Wiedergeburt dieser Blogserie. Und deshalb werde ich nunmehr auf die Frage nach dem “Warum” nicht weiter eingehen, denn das würde nämlich etliche weitere Zeilen bedeuten, die keine Sau lesen wird! Nicht einmal Pumba. Also der aus der Warzenschweinfamilie stammt.

Apropos Pumba: Von Warzenschweinen und anderen Kücken die so im Weltgeschehen des Krüger Nationalparkes herumstolzieren, werde ich demnächst noch berichten; ich weiss eben nur nicht genau wie. Vielleicht in einer Bilderreihe. Oder doch einfach in Worten. Ganz geil wäre natürlich ein Bericht in Zeichnungen. Dies jedoch würde dann wiederum zu meiner Lieblingsausrede führen: der Zeit. Ich darf euch hiermit mit Leib und Seele vollkommen offen und ehrlich beichten, dass ich es tatsächlich nicht bringe mit der Zeit. Zeitmanagement scheint ein Fremdwort in meinem Köpfchen zu sein, denn wie man „die Zeit managed“ ist mir bis heute wahrlich ein Rätsel. Vielleicht liegt es auch einfach an der Tatsache, dass ich mich für Zuvielerlei interessiere. Aber Zeit managen? Da könnte ich genauso gut damit anfangen Wolken zu dirigieren, um im Himmel mehr Stimmung zu kreieren. Apropos Stimmung: Während uns hier die Häärchen an den Armen zu multiplen kleinen Eiszapfen gefrieren, scheint sich Petrus da oben sicherlich ganz gut zu amüsieren, während er über seinen nächsten Schachzug im Spiel gegen die Sonne nachdenkt, dabei seinen blöden Schlüssel schwenkt und genüsslich in eine dieser fetten, zuckersüssen Trauben beisst, die ihm von einer schönen Dienerin auf einem beschissenen goldigen Tablett serviert wurden. Ich sage nur: Geduld. Und Karma.

Aber nun schnurstraks zurück zum eigentlichen Thema – Umschweife und den „roten Faden“ erheblich “strapazieren” unter Beizug von vollkommen fehlleitenden und überflüssigen Drittthemen ist eine mir übrigens angeborene Krankheit, die ich nun feierlich „illogical theme-criss-crossing“ taufe, nur um diesen Satz noch um einiges länger und doofer zu machen als wirklich notwendig wäre und um damit den Bogen um das eigentliche Thema, das irgendwo oben schon einmal kurz erwähnt wurde, noch ein Stückchen weiter auszudehnen.

So. Da schnaufe ich nun also wie eine wildgewordene Büffelkuh die weder richtig atmet noch richtig sexy aussieht bei den kläglichen Versuchen des äusserst irritierenden Po-Wackelns. Links von rechts zu unterscheiden bereitet mir übrigens ebenfalls von Geburt an Mühe. Nur durch mein Mundwerk hatte ich damals, vor x Jahren denn auch die Fahrprüfung auf Anhieb bestanden, denn eigentlich fuhr ich – vollkommen überzeugt von mir selbst natürlich – ein paar Mal links, als mein Prüfer rechts sagte und umgekehrt. Ach ja. Nun, da die Stunde bereits die achtundfünfzigste Minute des pausenlosen Tanzwütens erreicht hat, gehen wir endlich über zum befreienden Cool-down. Und obschon es tatsächlich keinen Spiegel im Raum gibt (dem Himmel sei Dank!), sehe ich mein Spiegelbild dank meiner höchst lebhaften Fantasie bis ins letzte Detail genau vor mir. Hmm.

Zugegeben, dieser Blogeintrag ist sehr lange gehalten. Damit wollte ich nämlich die letzten fünf Monate der Ruhe wieder Wett machen und somit auch mein schlechtes Gewissen kaschieren. Was mir sicherlich besser gelungen ist, als mein kläglicher Versuch, die Pölsterchen unter meinem rosaroten, in den letzten Wochen etwas zu knapp geratenen Zombiezebra-Shirt zu kaschieren.

Oooh, frohlocket, ihr Götter der Weiblichkeit!

© romina bogdanovic / lottileibnitz.com

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Grosse Umarmung,
Herzlichst,
Eure Lotti ❤

 

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