Die kleinen Philosophien eines ganz alltäglichen Lebens: Frühjahrsmüdigkeit oder wie man sie nicht siegen lässt

Lotti Leibnitz Art Creation Photography Anecdotes Story Writing Zurich

Tja, das ist so eine Sache mit der Frühjahrsmüdigkeit. Entweder man ist von ihr befallen in dieser Jahreszeit oder man wird regelrecht von ihr übermannt.  Das Entschwinden des langen, erbarmungslosen Winters lässt uns Menschen freudig aus unseren Nestern kriechen und die süsse, pollenbefallene Frühlingsluft tief einatmen, was – zeitgleich mit den allmorgentlich wärmer werdenden Sonnenstrahlen, die sanft über unsere blassen Gesichter streichen – unausweichlich zu höchst erfreulichen Glückshormonen führt, wobei unsereiner dadurch bereitschaftswillig zu mutigen Höhenflügen und überstürtzten Taten neigt, die wiederum – bedenkt man das sonnengeladene Adrenalin, das an solch schönen Tagen unser System fest im Griff hat – zu einem erhöhten, oftmals unüberlegten Ausschuss an gespeicherter Energie führt. Was natürlich toll ist. Nur sind wir uns in diesen Tagen nicht immer bewusst, dass unser Körper noch nicht gänzlich vom überaus angenehmen Winterschlummer aufgewacht ist und, ganz besonders, unsere Augen noch lange Zeit nach dem erfolgreichen Erwachen dem Schlummer nacheifern. Und dies ist der Zeitpunkt, an dem diese unglaublich hartnäckige Frühjahrsmüdigkeit ansetzt und an uns zehrt, obschon wir die Gründe für solch mysteriöse Müdigkeit nicht ganz erkennen mögen und erst recht nicht nachvollziehen wollen, denn wir sind schliesslich Superman und Wonderwoman in einer Person – wo doch der wunderbare Frühling endlich zurückgekehrt ist!

Es gibt natürlich auch die besonders Glücklichen unter uns, an denen eine solche Müdigkeit gänzlich vorüberzieht (gegrüsst seien sie, die Auserwählten!), aber mit denen rede ich zur Zeit nicht. Denn während die Auserwählten voller Elan ihren bereits mit K.I.T.T.-Effekt überfliegerartigen Leben die Sporen geben, sitze ich noch ganz winterlich abends vor der Glotze mit dem Ziel, meine Augen solange zu beanspruchen bis ich mich mühselig, jeden Knochen, Muskel – ja, jedes Gewebe! – spürend, ins Bett lege, wohlwissend, dass wieder ein Tag im Nichtstun vergeudet wurde (oh, du Müdigkeit!).

Zum Glück gibt es da unsere Grossmütter, Urgrossmütter und Ururgrossmütter, die schon in den frühesten Jahren seit der Entstehung der Menschheit Rat wussten: Randen (Rote Beete) möglichst zehnmal täglich soll gut für die Durchblutung sein und unser System zum Wachsein anregen (oder wie mein Grosi es intelligenterweise macht: Randen eingelegt mit Meerrettich; für die gewisse Würze im Leben eben). Genauso wach wird man beim grosszügigen Verzehr von jungen Löwenzahnblättern, Sonnenblumenkernen, Hühnersuppe (am Besten die richtige, mit anschaulichen Hühnerbeinen im Topf – und das meine ich jetzt voll ernst, denn die ist wirklich die Beste!). Auch sehr hilfreich gegen die Frühjahrsmüdigkeit sollen Brennesseltee und heisse Milch mit Pfefferminzblättern sein (huch, das ist einfach!).

Im modernen Zeitalter kämen dann wohl auch Vitaminbrausetabletten und Schüsslersalze hinzu. Und dann gibt es da noch den unabdingbaren, gut riechenden Kaffee, der mir derweil täglich das Leben vor dem schlafenden Niedergang rettet. Das wohl effizienteste gegen einen solch trägen Zustand, wie wir ihn, mal abgesehen von den zu beneidenden Auserwählten, momentan erleben dürfen wäre (und da kann ich sicherlich bedingungslos zustimmen) möglichst viele Stunden an der frischen Luft zu verbringen (wenn es denn einmal aufhören würde zu regnen), sich ein wenig mehr als sonst zu bewegen (ich wusste, da kommt noch so ein Knüller! Bäääh), wirklich viel zu trinken (sagt euch das ruhig selbst mal ein bisschen öfter, schliesslich gehts um euer aller Wohl!) und, ganz wichtig, die Gesellschaft zu suchen und zu geniessen. Und nebst alledem sollte man auf jeden Fall genügend Nachtstunden für den Schlaf mit einplanen.

Gut. Es wird dann wohl langsam Zeit, sich vom heissgeliebten Sofa zu verabschieden. Zeit, unseren intelligenten Vorfahren und Müttern ein bisschen mehr Respekt entgegenzubringen. Zeit, nun auch die jungen Löwenzahnblätter aufzuspüren und zu pflücken. Zeit, den Winterschlummer gänzlich zu verabschieden und die Frühjahrsmüdigkeit in den Wind zu schiessen. Zeit, diesen beneidenswerten Auserwählten so richtig keck zu zeigen, wo die Hähne JETZT krähen! 😀

© 2015 romina bogdanovic / lottileibnitz.com

Grosse Umarmung,
Eure Lotti ❤

 

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